Deutschland bleibt ein starker Produktionsstandort, doch die Herausforderungen nehmen zu. Unsere aktuelle „Studie Benchmark internationaler Produktionsstandorte 2025“ zeigt: Die Bundesrepublik befindet sich im internationalen Vergleich nur noch im vorderen Mittelfeld. Platz sechs von 31 Ländern. Das ist im Grunde solide, wird dem deutschen Anspruch als führende Wirtschaftsnation aber nicht mehr gerecht. Ein Indiz, dass wir uns zu lange auf unseren Erfolgen ausgeruht haben.
Die Stärken Deutschlands sind unbestritten und spiegeln sich auch in der Bewertung der fünf Standortfaktoren wider. Die rechtliche Stabilität ist beispielhaft, die Infrastruktur hervorragend ausgebaut. Als größter Heimatmarkt der EU bietet Deutschland aktuell noch eine gute Nachfragebasis.
Gleichzeitig zeigen sich große Herausforderungen, die nicht ignoriert werden dürfen. In Deutschland zu produzieren ist teuer: Mit einem Score von 1,67 liegt Deutschland hier am unteren Ende der Skala. Hohe Lohn- und Energiekosten belasten die Wettbewerbsfähigkeit. Auch der Arbeitsmarkt ist angespannt: Vollbeschäftigung klingt positiv, bedeutet aber für produzierende Unternehmen einen intensiven Wettbewerb um Fachkräfte. Der Score von 1,71 spiegelt diese Realität wider. Die CO₂-Bilanz liegt mit 5,45 im Mittelfeld. Das Ziel Deutschlands bis zum Jahr 2045 Netto-Treibhausgasneutralität zu erreichen, ist in Gefahr.
Diese Herausforderungen sind nicht unüberwindbar. Sie sollten als Anstoß gesehen werden, sich weiterzuentwickeln. Neben konsequenter Umsetzung von Performance Maßnahmen sind Unternehmen gut beraten, ihre Standortstrategien regelmäßig zu überprüfen. Eine kritische Analyse des eigenen Production Footprints kann helfen, Potenziale zu erkennen – sei es durch Optimierung bestehender Strukturen oder durch gezielte Diversifizierung. Die Nähe zum Absatzmarkt gewinnt an Bedeutung, nicht nur zur Absicherung der Lieferfähigkeit, sondern auch als Schutz gegen Handelsbarrieren. Flexible Lieferketten sind kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit in einer Welt, die von Unsicherheit, geopolitischen Spannungen und Zollrisiken geprägt ist.
Globale Unsicherheiten als zusätzlicher Druckfaktor
Die geopolitische Lage ist angespannt. Zollstreitigkeiten, Handelsbarrieren und protektionistische Tendenzen prägen die Weltwirtschaft. Die jüngsten Entwicklungen im transatlantischen Handel zeigen, wie volatil die Rahmenbedingungen geworden sind. Zwar bringt die Absichtserklärung zwischen der EU und den USA vom 27. Juli 2025 eine gewisse Entspannung – etwa durch pauschale Zollsätze von 15 Prozent für viele EU-Produkte – doch sie ist rechtlich nicht bindend.
Für strategische Güter wie Stahl und Aluminium gelten weiterhin hohe Zölle von bis zu 50 Prozent. Und wer die neuen Dokumentationspflichten nicht erfüllt, etwa zur Herkunft von Aluminium, riskiert Strafzölle von bis zu 200 Prozent.
Was jetzt zählt, sind Resilienz und Weitblick
In dieser Gemengelage braucht es nicht nur unternehmerische Weitsicht, sondern auch politische Unterstützung. Die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland hängt maßgeblich davon ab, wie flexibel und zukunftsorientiert die Rahmenbedingungen gestaltet werden. Ebenso entscheidend ist eine verlässliche Energiepolitik, die Versorgungssicherheit mit Nachhaltigkeit verbindet. Und nicht zuletzt braucht es gezielte Investitionen in Bildung und Qualifizierung, um dem Fachkräftemangel wirksam zu begegnen.
Deutschland hat alle Voraussetzungen, um auch künftig wieder ein attraktiver Produktionsstandort zu werden. Doch diese Voraussetzungen müssen gepflegt und weiterentwickelt werden. Die Standortwahl ist heute mehr denn je Teil des strategischen Risikomanagements. Wer investiert, tut dies nicht aus Gewohnheit, sondern aus Überzeugung. Diese Überzeugung muss sich lohnen – durch verlässliche Rahmenbedingungen, durch Innovationskraft und durch den Mut zur Veränderung.
Unsere Studie zeigt: Die Welt der Produktionsstandorte ist in Bewegung. Deutschland kann und sollte sich mitbewegen. Dann bleibt „Made in Germany“ auch morgen ein Gütesiegel – nicht nur für Qualität, sondern auch für Zukunftsfähigkeit.
Unsere „Studie Benchmark internationaler Produktionsstandorte 2025“ zeigt: Deutschland verliert an Boden als verlässlicher Produktionsstandort und die Herausforderungen nehmen zu. Hohe Kosten, Fachkräftemangel und globale Unsicherheiten setzen Unternehmen unter Druck.
Diese Herausforderungen treffen Produktionsstandorte weltweit: Doch während einige Standorte an Attraktivität verlieren, rücken neue in den Fokus. Unsere Studie dient als Barometer für Investitionsbedingungen und erleichtert produzierenden Unternehmen die Einschätzung von Standorten, ganz gleich, ob sie dort produzieren, (zurück-) verlagern oder Lieferanten bewerten möchten.