Hightech Branche

Einschätzung der Situation in der Hightech Branche

Zu der Herausforderung des Strukturwandels gesellen sich Produktionsausfälle, Nachfrageeinbrüche, instabile Lieferketten und die Beschleunigung der Unternehmenstransformation.

Situation

Durch die Corona Krise stehen Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, sowie der Hightech Branche unter hohem Druck. Die Branche war bereits in den letzten zwei Jahren, u. a. bedingt durch die politischen Entwicklungen, Handelskonflikte und den immer wieder verschobenen Brexit einer Rezession ausgesetzt. Nun fahren Autohersteller, Flugzeugbauer, Zulieferer und Produzenten von Konsumgütern reihenweise ihre Produktionen zurück, was zunehmend die mit der Branche verbundenen Unternehmen trifft.

 

Schätzungen gehen davon aus, dass der zu Jahresbeginn geschätzte Umsatzrückgang von 5 %, nun bedingt durch Corona ca. 2/3 der Unternehmen im Jahr 2020 mit einem Umsatzrückgang von bis zu ca. 30 % treffen wird. Der tatsächliche Umsatzrückgang hängt hier maßgeblich davon ab, wann die Unternehmen wieder in Richtung Normalität zurückkehren können.

 

Die Unternehmen sehen sich einerseits einem massiven Einbruch der Nachfragen ausgesetzt, andererseits werden Bestellung storniert und die Investitionen in neue Maschinen und Anlagen verschoben. Die damit einhergehende Drosselung der Produktion, die Nichtauslastung von Mitarbeitern und der Abfall der Liquidität werden dazu führen, dass perspektivisch Kostenreduzierungsmaßnahmen und Umstrukturierungen in den Unternehmen notwendig werden. Dies kann zum einen durch Effizienzerhöhung in der Wertschöpfung, spezifische an die Unternehmensbereiche angepasste Kostensenkungen und Prozessanpassungen erreicht werden.

 

Laut einer Umfrage des VDMA gaben 84 % der Teilnehmer an, dass ihr Produktionsablauf u. a. auf Grund von ausstehenden Lieferungen und Fehlteilen gestört ist. Umso wichtiger ist es nun für Unternehmen ihre aktuell oftmals von massiven Störungen betroffene Supply Chain und ihre Lieferkette so aufzustellen, das zum Zeitpunkt des Post-Corona Ramp-Ups einem schnellen Produktionshochlauf und einer stabilen Produktion nichts im Weg steht.

 

Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es keine valide Vorhersage, wie lange das Thema Corona die Industrie begleiten wird. Vorsichtige Prognosen gehen von einer Rückkehr auf das Vorjahresniveau in 2021/2022 aus. Diese Zeit können Unternehmen nutzen, um sich durch den flexiblen und sorgfältig geprüften Einsatz von Investitionen für den anstehenden Wiederanlauf und in Zukunftsfeldern zu positionieren.

Hierfür sehen wir drei Themen im Fokus:

 

  • Heben von Kostenpotentialen zur Liquiditäts- und Investitionssicherung
  • Absicherung und Neuausrichtung der Lieferanten und der Supply Chain
  • Beschleunigung der Unternehmenstransformation

Heben von Kostenpotentialen zur Liquiditäts- und Investitionssicherung

Das tatsächliche Ausmaß der Krise wird sich im Bereich des Maschinen- und Anlagenbaues erst in den kommenden Wochen abzeichnen, da sich dies auf Grund der meist längerfristigen Aufträge nach hinten verschiebt. Um hier die Unternehmensliquidität zu sichern und nötige Investitionen nicht ad hoc und unüberlegt zu stoppen, ist die Anpassung der Kostenstrukturen auf die aktuelle Situation erforderlich.

 

Hier für kann einerseits das Instrument der Kurzarbeit gewählt werden, wodurch Unternehmen kurzfristig die Personalkosten senken und sich Liquidität sichern, jedoch keine langfristige Wirkung erzielen. Um hier nachhaltige Lösungen zu erzielen, ist zum einen die Anpassung der nicht-wertschöpfenden Prozesse, als auch die Anpassung der Kosten- und Personalstrukturen eine Möglichkeit. Dabei sollte der Fokus nicht rein auf den strukturellen Elementen liegen, sondern den Change Prozess und die Mitarbeiter berücksichtigen. Effizienzsteigerungen können auf Prozessebene nur zum Erfolg führen, wenn die darüberliegenden Strukturen mit optimiert werden.

 

In genau diesen Zeiten gilt es aktiv die Effizienzen in Produktion, Administration, Logistik, etc. zu steigern um sich durch ausgewogene Kostenstrukturen, beschleunigte Prozesse und die Fertigung von qualitativ hochwertige Produkte einen Wettbewerbsvorteil für die Zeit des Post-Corona Ramp Up zu sichern.

Absicherung und Neuausrichtung der Lieferanten und der Supply Chain

Im Zuge der Corona Krise wurden Schwachstellen in der Lieferkette und dem Lieferantenmanagement noch vor dem Auftragseinbruch ersichtlich. Eine Vielzahl von Unternehmen ist hiervon betroffen. Allein der Stillstand in Italien und seinen Zulieferbetrieben für u. a. Feinmechanik und Metallteile führt bei vielen europäischen Unternehmen zu Störungen in der Produktion.

 

Laut einer VDMA-Blitzumfrage mit ca. 1000 teilnehmenden Unternehmen im März 2020, gaben ca. 60 % davon an, sich bereits mit Beeinträchtigungen in den Lieferketten auseinandersetzen zu müssen. Bei den restlichen Unternehmen erwarten ca. 2/3 eine Beeinträchtigung in den nächsten Monaten. Um diesen Engpässen zu begegnen, empfiehlt es sich, die mit den Lieferketten verbundenen Risiken breiter zu streuen, sich wo möglich vom reinen Single Sourcing zu verabschieden und mehrere Partner ins Boot zu holen.

 

Hierbei sollen nicht die international ausgeprägten Lieferketten allgemein in Frage gestellt werden, sondern die Prozesse dahinter, welche transparenter gestaltet und besser miteinander abgestimmt werden müssen. Eine Herausforderung hierbei wird es sein, die klassische Denkweise zu verlassen, seine Lieferantennetzwerk, die Supply Chain mittels Cockpits zu tracken, um Risiken frühzeitig zu erkennen und drauf zu reagieren. Eine Möglichkeit hierbei ist eine Sourcing Strategie, welche die klassischen Lieferanten – Kunden Denkweise verlässt und in übergeordneten agilen Netzwerken und Kooperationen denkt. Da die Krise schonungslos die Schwachstellen in den Lieferketten aufgezeigt hat, wird nun die Suche nach zusätzlichen Lieferanten und der Aufbau eines Supply-Chain Netzwerks verstärkt losgehen.

 

Ziel dabei ist es, für die Zukunft eine hohe Stabilität in der Lieferkette zu erreichen Ausfälle zeitnahe über ein kooperatives Supply-Chain Netzwerk kompensieren zu können.

Beschleunigung der Unternehmenstransformation

Krisensituationen wie Corona waren seit jeher ein Antrieb für Veränderungen und der Abkehr von Gewohntem. So lässt sich bereits jetzt absehen, dass die teils mangelnde digitale Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen durch die Krise schneller als geplant angegangen werden muss und die Digitalisierung einer der Gewinner dieser Krise wird.

 

Trotz der aktuell angespannten Situation empfiehlt es sich, Investitionen in strategische Themen, welche u. a. die Digitalisierung und Automatisierung fördern, nicht ad hoc zu stoppen, sondern diese fokussiert und reflektiert weiterzuführen und diese von Maßnahmen zur Kosteneinsparung zu entkoppeln. Um hier die richtigen Entscheidungen zu treffen, empfiehlt sich aus unserer Erfahrung heraus, eine Transformations-Roadmap zu erstellen, welche die Digitalisierungs- und Automatisierungsthemen umfasst, bewertet und priorisiert.

 

So kann beispielsweise der Wandel zu “Software as a Service“, welchen die Softwarebrache vorgelebt hat nun auch vermehrt in der Hightech Branche angegangen werden, um sich hierüber eine stetige Einnahmequelle zusätzlich zu den klassischen Produkten zu sichern.

 

Des Weiteren erhält mit RPA (Robotic Process Automation) Einzug in die administrativen Bereiche von Unternehmen, um hier einfach Prozess zu automatisieren und FTE`s einzusparen.

 

Nutzen sie die Zeit in dieser turbulenten Phase, um Ihr Unternehmen für die Post-Corona Zeit zu positionieren und sich Wettbewerbsvorteile gegenüber ihren Wettbewerbern zu sichern.