Lieferantenmanagement: So gewährleisten Sie Ihre Versorgungssicherheit in Krisenzeiten

Die Corona-Pandemie wirkt sich gravierend auf die Versorgungssicherheit der Produktionsbranche aus. Auch nach dem Ende des behördlich auferlegten Stillstandes ist keinesfalls sicher, dass Unternehmen ihre geplanten Stückzahlen zeitnah wieder erreichen können. Dafür braucht es ein kontrolliertes Post-Crisis-Anlaufmanagement, das den Konsequenzen der Krise Rechnung trägt.

    Welche Folgen hat die Krise für Versorgungsnetzwerke?

    Die weltweite Ausbreitung von COVID-19 hat in allen großen Industrienationen zu wirtschaftlichen Einschränkungen geführt. Dies wirkt sich unmittelbar auf die Versorgungssicherheit produzierender Unternehmen aus, denn ihre Lieferketten sind an verschiedenen Stellen unterbrochen. Selbst wenn Deutschland in den kommenden Wochen die Produktion wieder hochfährt: Ob die dafür benötigten Bauteile, Komponenten und Vorprodukte in den erforderlichen Stückzahlen verfügbar sind, ist gerade in Unternehmen mit weltweit eng vernetzten Wertschöpfungsketten schwer absehbar.


    Aktuell sind die Lieferketten intransparent und instabil. Entscheider können derzeit kaum seriös bewerten, wann ein Tier-n-Lieferant aus den USA seine Produkte in welcher Zahl bereitstellen kann, ob dafür die notwendigen Transportkapazitäten uneingeschränkt nutzbar sind und welche alternativen Beschaffungsoptionen bestehen, falls ein Zulieferer handlungsunfähig wird. Zum anderen fehlt in vielen Unternehmen ohnehin ein Überblick dazu, wie ihre Lieferketten und ihre Unterlieferantenstruktur bis auf Tier-n-Ebene ausgestaltet sind. Diese fehlende Transparenz macht sich in der derzeitigen Krise besonders stark bemerkbar.


    Erschwerend hinzu kommt, dass es aufgrund der Reisebeschränkungen fast unmöglich ist, die Situation von im Ausland ansässigen Bestands- und Neulieferanten persönlich zu validieren. Inwiefern es möglich wäre, einen Lieferanten aus Osteuropa oder Asien mithilfe von Sofortmaßnahmen zu befähigen oder ob alternativ ein neuer Lieferant integriert werden kann, lässt sich derzeit nicht ohne Weiteres beantworten. Dafür müssten Unternehmen vor Ort jemanden beschäftigen, der sich ein Bild von den dortigen Gegebenheiten macht.

     

    Die behördlichen Vorgaben im Zusammenhang mit dem Corona-Virus werden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf die Rahmenbedingungen auf dem Shopfloor selbst auswirken. Das gilt besonders für Kontaktbeschränkungen: Ohne Atemmasken und weitere Schutzausrüstung für ihre Mitarbeiter können Unternehmen den Produktionsbetrieb voraussichtlich nicht wieder aufnehmen. Inwiefern diese Hilfsmittel in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen, bleibt mit Blick auf die Engpässe im Output von Medizintechnikunternehmen abzuwarten.

    Die Krise bringt zahlreiche Fragen mit sich

    Der Wiederanlauf der Produktion ist aufgrund der unklaren Versorgungslage in vielen Unternehmen mit Risiken verbunden, die ihre Handlungsfähigkeit auch nach dem Ende des krisenbedingten Shutdowns erheblich einschränken können. Verzögerungen im Wiederanlauf und die damit verbundene Unterschreitung der Stückzahlenkurve bringen weitreichende Konsequenzen mit sich. Entscheider stehen daher vor einer Reihe komplexer Fragestellungen, die sie mit Blick auf den durch die Krise entstandenen Kostendruck schnell und sinnvoll beantworten müssen:

     

    • Welche Optionen bestehen, wenn ein Lieferant bis auf weiteres nicht verfügbar ist? Können wir z. B. kurzfristig lokale Second-Source-Supplier hochfahren und befähigen?
    • Wie können wir internationale Lieferketten durch eine angemessene Risikobewertung sicherer gestalten?
    • Besteht die Möglichkeit, neue Lieferanten kurzfristig mit weltweit tätigen Fast Response Teams und/ oder Task Forces vor Ort zu unterstützen?
    • Wie können wir das geregelte Herunter- und spätere wieder Herauffahren von Produktionsstätten inkl. der Versorgungssicherheit bewerkstelligen?
    • Welche Remote-Ansätze helfen dabei, die Projektarbeit im Krisenmodus weiterzuführen?
    • Welchen Vertriebsansatz nutzen wir, um die Umsätze wieder zu steigern?

    Whitepaper: Versorgungssicherheit in Krisenzeiten

    Wenn Sie noch mehr darüber erfahren möchten, wie Sie Ihre Versorgungssicherheit in Krisenzeiten sicherstellen, empfehlen wir Ihnen unser Whitepaper „Versorgungssicherheit in Krisenzeiten“. Es erläutert die Maßnahmen, die wir in diesem Beitrag vorgestellt haben, noch ausführlicher.

     

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    Sieben Maßnahmen für ein kontrolliertes Post-Crisis-Anlaufmanagement

    Um den Wiederanlauf der Produktion (und die Zeit danach) zu bewältigen, braucht es zielgerichtete Maßnahmen, die dazu geeignet sind, die Versorgungssicherheit so schnell wie möglich zu gewährleisten. Folgende sieben Elemente mit operativer Ausrichtung, die zur Bearbeitung der aktuellen Engpass-Situation besonders gut geeignet sind:

    1. 360-Grad-Analyse der aktuellen Situation

    Unternehmen benötigen zunächst einen Überblick über mögliche Risiken, die ihre Versorgungssicherheit einschränken können. Hierfür eignen sich sogenannte 360-Grad-Analysen, bei denen sämtliche Risiken in Form einer Matrix visualisiert und anhand von Supply Chain Risk Indicators (SCRI) bewertet werden. Diese Transparenz fördert die schnelle, strukturierte Ableitung von Risiko-minimierenden Maßnahmen, die die Versorgungssicherheit kurz- und langfristig steigern.

    2. Ramp-Up-, Ramp-Down-Management

    Essenziell für den verlustfreien Wiederanlauf der Fertigung ist ein systematisches, geplantes Herunterfahren der Produktionsbereiche. Dafür braucht es ein sinnvolles Ramp-Down-Management, das u. a. eine Risikoanalyse aller betroffenen Ressourcen (Personal, Produktionsmittel, Know-how) sowie der Abnehmer- und Zuliefererstrukturen beinhaltet. Das erleichtert die Planung und Umsetzung operativer Ramp-Down-Maßnahmen. Zugleich schaffen Unternehmen damit die Basis für angepasste, auf den Wiederanlauf zugeschnittene Lösungen zur Minimierung von Risiken und Verlusten. Das ist die Basis für zukünftige Präventivmaßnahmen. 

    Auf behördliche Einschränkungen, die die Produktion auch nach dem Wiederanlauf beeinflussen, können Unternehmen z. B. mit der Bereitstellung von Schutzvorrichtungen (Abstandssensoren, Schutzgläser, Atemmasken etc.) reagieren. Denkbar ist auch, dass sie Arbeitsinhalte je nach Anlaufkurve so umsteuern, dass die Sicherheit der Werker in jedem Fall gewährleistet ist (z. B. durch angepasste Schichtmodelle).

    3. Transparenz in der Lieferkette schaffen

    Um ihre Versorgungssicherheit zu gewährleisten, müssen Unternehmen mögliche Schwachstellen innerhalb ihrer Supply Chain identifizieren. Dafür benötigen sie ein transparentes Bild ihrer eigenen Produktion und ihrer Lieferkette. Die Lösung besteht darin, sämtliche Daten über den eigenen Shopfloor, Lieferanten und Kaufteilinformationen zu sammeln, zu visualisieren und in eine Kennzahlenstruktur zu bringen. Das Ziel ist eine standardisierte Informationsplattform, die alle Unternehmen innerhalb der Supply Chain (von Tier 1 bis Tier n) vernetzt.

    4. Aufbau Bestands- und Fortschrittscontrolling über Dashboard-Lösungen

    Die Fähigkeit, proaktiv auf Risiken und Störungen zu reagieren, ist gerade in Krisenzeiten ein wesentlicher Erfolgsfaktor für produzierende Unternehmen. Eine Voraussetzung dafür sind Dashboard-Lösungen, die es erlauben, Materialströme, -bestände und -bewegungen sowie die Performance von Lieferanten in Echtzeit zu verfolgen und zu analysieren. Probleme, die sich auf die Versorgung der Produktion auswirken, können dadurch bereits vor dem Ausbruch erkannt und mithilfe passender Sofortmaßnahmen vermieden werden.

    5. Fast Response, Task-Force-Einsatz, Resident-Arbeit vor Ort

    Um die Verfügbarkeit von Bauteilen und Komponenten sicherzustellen, müssen Unternehmen ihre Lieferanten ggf. vor Ort unterstützen. Das ist aufgrund der aktuellen Reisebeschränkungen schwierig. Da unsere Berater an vielen Standorten weltweit tätig sind (u. a. in Osteuropa, China, Mexiko und den USA), bieten wir unseren Kunden eine Taskforce-Toolbox an: Sie besteht aus einem Fast-Response-Team, das Sofortmaßnahmen bei ausländischen Lieferanten plant und umsetzt, einer Task Force, die Eskalationsprojekte durchführt, sowie einem Resident Engineer, der Lieferanten langfristig bei der Minimierung von Supply-Chain-Risiken unterstützt. Auf diese Weise bauen wir eine global verfügbare Kommunikationsbrücke, mit der sich die Versorgungssituation internationaler Lieferanten bewerten und verbessern lässt.

    6. Alternative Lieferantenstrukturen identifizieren und Second Source aufbauen

    Disruptionen innerhalb eines Versorgungsnetzwerkes lassen sich in Krisenzeiten nicht vollständig vermeiden. Deswegen ist es wichtig, dass Produktionsunternehmen ihre Lieferantenstruktur sukzessive und zielgerichtet um Second Sources erweitern. Dafür müssen sie alternative Lieferanten identifizieren, analysieren und befähigen. Das Ziel besteht darin, zugelassene, qualifizierte Alternativen möglichst schnell in das bestehende Lieferantenpanel zu integrieren.

    7. Projektmanagement

    Die hier beschriebenen Maßnahmen sind am wirksamsten, wenn sie von einem hochgradig digitalen und effizienten Projektmanagement begleitet werden. Das erleichtert es, die Remote-Arbeit sicherzustellen und zu steuern.

    Fazit

    Die Folgen der Corona-Pandemie werden produzierende Unternehmen wohl noch viele Monate beschäftigen. Umso wichtiger ist es, dass Entscheider so schnell wie möglich Maßnahmen in Gang setzen, um die eigene Versorgungssicherheit auch in schwierigen Zeiten sicherzustellen. Dafür braucht es einerseits einen transparenten Überblick zu den Abläufen innerhalb der Supply Chain. Andererseits erfordert die aktuelle Situation ein sauberes Projekt- und Anlaufmanagement, alternative Lieferantenstrukturen sowie die Fähigkeit, Lieferanten vor Ort zu unterstützen. Auf diese Weise lassen sich viele Risiken, die durch die Krise entstanden sind, auf ein Minimum reduzieren.