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Moderne Fabrik vs. Kreuzfahrtschiff: ein Vergleich

Was haben moderne Fabriken und Kreuzfahrtschiffe gemeinsam? Mehr als man gemeinhin denken mag. Denn Kreuzfahrtschiffe agieren in einem autonomen, in sich geschlossenen Kreislauf. Und moderne Fabriken zunehmend ebenso. Deshalb kann durchaus der Vergleich gezogen werden, dass die Fabrik der Zukunft im Prinzip dem Kreuzfahrtschiff mit seinem autarken System entspricht – und das Gewerbegebiet dem Hafen, wenn an einigen Stellen doch noch die Verbindung nach außen benötigt wird.

„Zu den übergeordneten Zielen bei der Planung und Konzeption moderner Fabriken gehören vor allem auch ökologische und nachhaltige Kriterien. Eine Fabrik sollte deshalb die Umwelt nicht bzw. nur geringfügig belasten und ihren eigenen Energiebedarf idealerweise selbst decken. Dasselbe gilt prinzipiell auch für Kreuzfahrtschiffe, wie der folgende Vergleich der wichtigsten Aspekte von beiden Konzepten zeigen soll“, erläutert Jörg Halbauer, Project Manager bei Ingenics.

1. Campus-Gedanke

Grundsätzlich setzt sich auf Fabrikanlagen immer mehr der Campus-Gedanke durch. Denn im Wettkampf um die besten Fachkräfte müssen Unternehmen verstärkt ein attraktives Arbeitsumfeld bieten. So gibt es z. B. eine stetig wachsende Anzahl an Aufenthaltsmöglichkeiten, Kantinen, Cafeterien, grünen Lungen, Fitnessräumen, Meditationsräumen und vielem mehr. Ähnlich also wie auf einem Kreuzfahrtschiff, muss man das Fabrikgelände während des Aufenthalts schon heute kaum mehr verlassen.

2. Abwasserfreie Systeme

Weiterhin geht der Trend in Richtung industrieabwasserfreie Fabriken. Dabei geht es hauptsächlich darum, das Industrieabwasser zu sammeln und zentral zu entsorgen. Eine Alternative sind sogenannte Verdampfer: Diese nehmen das ganze Abwasser einer Fabrik über ein Saugfahrzeug auf und lassen es anschließend verdampfen. So entsteht einerseits ein Destillat, mit dem z. B. der Boden gereinigt werden kann, und andererseits Wasser, das wiederverwendet wird. Übrig bleibt lediglich Schlacke, die entsorgt wird – ähnlich wie die Asche auf einem Kreuzfahrtschiff.

3. Energiekreislauf

In vielen Kreuzfahrtschiffen und Fabriken kann auf Heizenergie verzichtet werden, wenn die Abwärme der Maschinen sinnvoll genutzt wird. Es existieren bereits verschiedene Verfahren, bei denen die Abwärme unter dem Dach gesammelt und wieder in den Kreislauf eingespielt wird. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit einer autarken Stromversorgung, z. B. über Brennstoffzellen. Blockheizkraftwerke sind hingegen eher kritisch zu betrachten, denn diese brauchen eine gewisse Grundlast. Gerade wenn nachts keine Auslastung der Produktion vorliegt oder wenn es überhaupt keinen Dreischichtbetrieb gibt, ist ein Blockheizkraftwerk schnell unwirtschaftlich.

4. Einsparpotenziale

Ganz gleich, ob Fabrik oder Kreuzfahrtschiff: Generell wird überall versucht, Einsparpotenziale zu generieren. So gibt es an beiden Orten neben der Möglichkeit der LED-Beleuchtung auch im Bereich der Druckluft große Sparpotenziale. Grundsätzlich ist Druckluft im Fabrikbereich sinnvoll, um durch Wärmerückgewinnung Energie zu erzeugen. Ziel ist es, Leckagen zu orten und dicht zu machen. Auch die Forschung tendiert in die Richtung der Leckage-Ortung und sucht aktuell nach Möglichkeiten, die Druckluftquellen dicht zu machen – z. B. bei CNC-Maschinen.

5. Sonstige Aspekte

Gerade in Zeiten von Industrie 4.0 muss es langfristig auch für die fabrikinternen Daten ein autonomes System geben, da der Aspekt der Datensicherheit in der modernen Fabrik immer wichtiger wird. Man sagt, dass sich das Datenvolumen in Fabriken bis in 5 Jahren verdreifachen wird – deshalb ist es wichtig, dass auch datentechnisch ein autonomer Kreislauf besteht, der den Austausch nach außen zwar erlaubt, aber nach innen gegen Angriffe von außen geschützt ist.

Ein letzter Aspekt, den es im Rahmen dieses Vergleichs zu berücksichtigen gilt: die Rettungsboote eines Kreuzfahrtschiffs sind im Prinzip die Redundanz in einer Fabrik. Beides sollte immer minimal gehalten werden. Dennoch müssen die einzelnen Prozesse auch dann weiterlaufen, wenn einzelne Aspekte wie Wasser-, Stromversorgung oder Druckluft kurzfristig ausfallen.

Fazit

Der Vergleich zwischen modernen Fabrik und Kreuzfahrtschiff zeigt, dass es sich durchaus lohnt, regelmäßig über den „Tellerrand“ hinauszublicken – und teilweise auch Vergleiche zu ziehen, die oftmals nur auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen. Denn die Technik eröffnet immer wieder neue Möglichkeiten. Und das nicht nur im Bereich der Fabrikplanung, sondern bereichs- und branchenübergreifend. 

„Ingenics als zukunftsorientiertes und fortschrittliches Beratungsunternehmen setzt sich ständig mit Zukunftsvisionen auseinander und ist damit der ideale Ansprechpartner für Kunden, die z. B. auf eine Green Factory und deren optimale Ausgestaltung im Sinne von Energieeffizienz Wert legen. Die Zusammenarbeit mit Ingenics ermöglicht dem Kunden jederzeit eine Beratung auf einem hohen fachlichen Niveau – und selbstverständlich immer unter Berücksichtigung der aktuellsten Trends ökologischer und nachhaltiger Fabrikplanung“, fasst Jörg Halbauer abschließend zusammen.

Jörg Halbauer

Jörg Halbauer

Ingenics

Project Manager
Telefon: +49 731 93680 226