Zwischen Effizienz, Transformation und Wachstum: Das beschäftigt die deutsche Industrie
Eine Einordnung der aktuellen Lünendonk-Studie zur Industry Performance
Die deutsche Industrie steht unter massivem Produktivitätsdruck. Steigende Kosten, Fachkräftemangel und die anhaltende Debatte um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zwingen Unternehmen zum Handeln. Viele Unternehmen haben, getrieben von der Hoffnung auf Effizienzrendite, in den letzten Jahren immense Summen in Digitalisierung, Industrie 4.0 und künstliche Intelligenz investiert. Die erhofften Effekte bleiben allerdings oft aus.
Die aktuelle Lünendonk-Studie zur Industry Performance liefert hierzu eine differenzierte Bestandsaufnahme. Auf Basis von Einschätzungen aus rund 80 Industrieunternehmen wird deutlich, was auch wir im operativen Geschäft beobachten: Viele Initiativen sind angestoßen, ihre Wirkung entfaltet sich jedoch bislang nicht überall in der gewünschten Breite.
Zwischen Anspruch und Umsetzung
In der Praxis sehen wir – auch bei fast jedem Neukunden – ein häufiges Muster: Zahlreiche Unternehmen haben Pilotprojekte initiiert und erste Anwendungen umgesetzt. Die Überführung in den Regelbetrieb und insbesondere die Skalierung über Standorte und Prozesse hinweg gestaltet sich jedoch oft anspruchsvoller als erwartet. Diese Erkenntnis sehen wir auch in der Studie: Digitalisierung und KI werden von den befragten Unternehmen als relevante Hebel gesehen, die Überführung in den Regelbetrieb und insbesondere die Skalierung über Standorte und Prozesse hinweg gestaltet sich jedoch oft anspruchsvoller als erwartet.
Was es hier braucht, sind eine durchgängige Operations Strategy sowie eine klar definierte Governance auf Führungsebene – nur so kann eine Synchronisierung aller Transformationsaktivitäten auf Dauer sichergestellt werden.
Strukturelle Bremsen lösen, bevor skaliert wird
Ein spannendes Ergebnis der Studie räumt mit einem weit verbreiteten Transformations-Mythos auf, gegen den wir seit Jahren ankämpfen. Man kann grundlegende operative Ineffizienzen und Markthürden nicht einfach wegdigitalisieren. Wir sehen deutlich, dass die echten Bremsen für die Produktionsprozesse hochgradig strukturell sind:
- Für 70 Prozent der Unternehmen sind die Energiepreise der stärkste Belastungsfaktor.
- 55 Prozent leiden massiv unter dem Fachkräftemangel.
- Geopolitik und Zölle bremsen 43 Prozent der Unternehmen aus.
- Rohstoffmangel (26 Prozent) und Lieferantenausfälle (21 Prozent) belasten die internen Abläufe.
Vor diesem Hintergrund wird deutlich: Digitale Initiativen können ihre Wirkung vor allem dort entfalten, wo die operative Basis stabil ist und Prozesse entsprechend vorbereitet sind. Digitalisierung ersetzt keine strukturelle Optimierung, sondern baut in vielen Fällen darauf auf.
Operative Exzellenz als Grundlage der Transformation
Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist die weiterhin hohe Bedeutung klassischer Leistungshebel. Produktivität, Prozessstabilität und Qualität bleiben die entscheidenden Voraussetzungen für nachhaltige Verbesserungen. Wer sich an folgenden Leitlinien orientiert, wird langfristig erfolgreich sein:
- Prozess vor Digitalisierung: Die physische Prozesslandschaft und die Resilienz der Supply Chain sind das Fundament. Digitale Hebel greifen nur dort, wo die Basis stimmt und strukturelle Bremsen abgefedert werden.
- Skalierbarkeit schlägt Technologie: Ein Tool, das flächendeckend und diszipliniert ausgerollt wird, bringt dem Unternehmen mehr als eine High-End-KI, die als isolierter Pilot in einer Nische verkümmert.
- End-to-End statt isolierte Use Cases: Die Initiierung einzelner Use Cases für schnelle Erfolge sollte nur die Notlösung sein. Der Fokus muss auf ein bis zwei ausgewählten End-to-End-Lösungen liegen, die konsequent und synchronisiert in der Organisation implementiert werden.
Fokus auf Skalierbarkeit und Umsetzung
Kunden fragen immer seltener nach reinen Innovationsthemen. Es geht fast ausschließlich um die Frage, wie eine bewährte Lösung organisatorisch in der Fläche ausgerollt werden kann. Mit folgenden Ansatzpunkten kann es klappen:
- Ganzheitliche Betrachtung statt Einzelinitiativen: Digitale Projekte sollten frühzeitig in übergreifende Prozesse integriert werden.
- Klare Governance-Strukturen: Verantwortlichkeiten und Steuerungsmechanismen sind entscheidend für die Skalierung.
- Verzahnung von Technologie und Organisation: Die Wirkung entsteht im Zusammenspiel beider Ebenen.
- Fokus auf wenige, wirksame Ansätze: Breite Wirkung entsteht oft durch konsequente Umsetzung ausgewählter Lösungen.
Klares Bekenntnis zum Standort Deutschland
Trotz der massiven Belastungen durch Energiepreise und Fachkräftemangel zeigt die Lünendonk-Studie eine spannende Perspektive auf: Der Produktionsstandort Deutschland ist für viele Unternehmen weiterhin relevant. Tatsächlich sehen 9 von 10 Industrieunternehmen die aktuellen Standortnachteile als beherrschbar an: 43 Prozent halten die hohen Kostenstrukturen und Effizienznachteile in Deutschland für kompensierbar, weitere 47 Prozent zumindest für teilweise kompensierbar.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Unternehmen ihre Standortentscheidungen zunehmend differenziert treffen und parallel Maßnahmen zur Steigerung von Produktivität und Resilienz vorantreiben.
Fazit: Ärmel hochkrempeln und machen
Die Lünendonk-Studie zeigt ein insgesamt ausgewogenes Bild der aktuellen Situation:
Die industrielle Transformation ist in vollem Gange, ihre Wirkung entfaltet sich jedoch nicht automatisch.
Viele Unternehmen verfügen über klare strategische Zielbilder und haben wichtige Initiativen angestoßen. Entscheidend für die kommenden Jahre wird sein, diese Ansätze konsequent umzusetzen und in die Breite zu bringen.
Transformation erweist sich damit weniger als Technologiefrage, sondern zunehmend als Umsetzungsaufgabe. Wem es gelingt, operative Exzellenz, organisatorische Klarheit und digitale Skalierung miteinander zu verbinden, schafft die Grundlage für nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit. Gemeinsam mit unseren Kunden werden wir diesen Weg von der ersten Pilotphase bis hin zur Skalierung in den nächsten Jahren meistern.
Die gesamte Studie zum Nachlesen finden Sie hier.