Erste Orientierung bei der Standortwahl

Wie findet man den richtigen Produktionsstandort? Welche Kriterien sind in Zukunft wichtig? Wo liegen die Best-Cost-Countries?

Erste Orientierung bei der Standortwahl
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Die Wahl des passenden Produktionsstandorts ist für jedes Unternehmen ein wichtiger Schritt und gleichzeitig nicht einfach. Standortfaktoren unterliegen Schwankungen, die teils in sehr kurzen Zeiträumen passieren. Politische, wirtschaftliche und auch ökologische Veränderungen können durchaus unvorhergesehen passieren oder nur schwer einschätzbare Folgen nach sich ziehen. Das wissen wir nicht erst seit der Covid-19-Pandemie. Umso schwieriger ist es eine universelle und zeitunabhängige Empfehlung zu Produktionsstandorten zu geben. Aus diesem Grund haben wir bei Ingenics 2015 eine Studie etabliert, die im zweijährlichen Rhythmus Standortfaktoren ausgewählter Länder miteinander vergleicht und bewertet.

Rückblickend hat sich seit der der ersten Auflage unter den besten drei Produktionsstandorten nur sehr wenig Veränderung ergeben. Hier standen fast immer die USA an erster Stelle, gefolgt von Deutschland und Großbritannien. Brasilien bildete in allen Studien bislang das Schlusslicht im Ranking. Daher haben wir in diesem Jahr ein weiteres Ranking etabliert, bei dem die Bewertungskriterien unterschiedlich gewichtet werden, um so eine Aussage zu den Best-Cost-Countries treffen zu können: Im Fokus stehen dabei die Produktionskosten sowie die Zuverlässigkeit eines Standorts. Konkret bedeutet das, dass die rechtlich und politisch stabile Rahmenbedingungen, sowie eine gut ausgebaute Infrastruktur rund 80 Prozent der Gesamtgewichtung der einzelnen Faktoren bei der Bewertung ausmachen. 

Gesamtranking – Top Drei

Grafik Ingenics Benchmark Studie 2021 zu den Produktionsstandorten in  Deutschland, USA und Großbritannien
Die Grafik zeigt unterschiedliche Faktoren, die für eine Entscheidung bezüglich eines Produktionsstandortes wichtig sind. Die Ingenics Benchmark Studie 2021 vergleicht hier Deutschland, USA und Großbritannien.

Asiatische und mitteleuropäische Länder liegen vorn

Es ist nicht verwunderlich, dass im Best-Cost-Countries-Ranking die westeuropäischen Länder ins untere Drittel der Liste abrutschen. Als teuerster Produktionsstandort bildet Deutschland das Schlusslicht dieses Rankings. Grund dafür sind hauptsächlich die sehr hohen Arbeits- und Energiekosten. In Europa werden bei dieser Betrachtung die beiden mitteleuropäischen Länder Tschechien und Polen zu attraktiven Produktionsstandorten. Die Tschechische Republik schafft im Best-Cost-Countries-Ranking den Sprung auf Platz drei, während das Land im Gesamtranking an achter Stelle liegt. Polen belegt den fünften Platz, beim Gesamtranking den neunten Platz.

Klarer Gewinner unter den Best-Cost-Countries ist Malaysia. Das südostasiatische Land setzt bei den Produktionsfaktoren den Benchmark. Niedrige Arbeits- und Energiekosten führen zu der hohen Platzierung. Allerdings muss auch bedacht werden, dass Malaysia beim neu eingeführten Faktorenbündel „Nachhaltigkeit“ schlecht abschneidet, was sich künftig negativ auf den Produktionsstandort auswirken könnte.

China ist weiterhin ein attraktiver Produktionsstandort und belegt im Best-Cost-Countries-Ranking den zweiten Platz (Platz sieben im Gesamtranking). Wie in Malaysia sind hier die niedrigen Arbeits- und Energiekosten ausschlaggebende Faktoren. Doch belegt die Volksrepublik beim Thema Nachhaltigkeit einen der hinteren Plätze.

Studie "Benchmark internationaler Produktionsstandorte" 2021

Erhalten Sie einen ersten Überblick für Ihre Standortwahl. Verglichen werden 15 Länder aus Amerika, Asien und Europa im Gesamtranking und Best-Cost-Countries-Ranking.

Studie "Benchmark internationaler Produktionsstandorte" 2021

Nachhaltigkeit als Entscheidungskriterium für die Wahl des Standorts

Nicht erst in diesem Jahr haben wir die Auswirkungen der Klimaerwärmung weltweit zu spüren bekommen. Es steht außer Frage, dass produzierende Unternehmen und den angeschlossenen globalen Lieferketten eine besondere Rolle beim Thema Umweltschutz, CO2-Ausstoß und nachhaltiges Wirtschaften zukommt. Daher haben wir in der aktuellen Ausgabe unserer Studie das Thema Nachhaltigkeit als zusätzliches Faktorenbündel bei der Bewertung aufgenommen. Dabei werden einerseits die Energieerzeugung sowie der Ausstoß von Treibhausgasen betrachtet, andererseits fließen auch die politischen Rahmenbedingungen und staatlichen Regulierungen hinsichtlich Nachhaltigkeit in die Bewertung ein. Zudem ist die Gesundheitsversorgung ein Aspekt, der durch die Corona-Pandemie in künftigen Studien sicherlich Einfluss auf das Ranking haben wird.

Auswirkungen aktueller Umbrüche werden sich zeigen

Aufgrund der Corona-Pandemie waren zum Zeitpunkt der Studienerstellung nicht – wie sonst üblich – die Daten des Vorjahres (2020) verfügbar. Somit zeigen sich in der aktuellen Ausgabe noch nicht die Auswirkungen der aktuellen Umbrüche, beispielsweise der Regierungswechsel in den USA, der EU-Austritt Großbritanniens oder die weltweite Covid-19-Pandemie. Allerdings bietet die aktuelle Studie eine optimale Grundlage, um eben diese Auswirkungen bei der kommenden Auswertung 2023 zu erfassen, sichtbar zu machen und zu bewerten. Gerade im Bereich der Digitalisierung wird es in den untersuchten Ländern Veränderungen geben, da durch die aktuelle Krise der Handlungsbedarf klar zutage getreten ist. Ebenso wird es Veränderungen beim Themenbereich Nachhaltigkeit geben, der sicherlich für die Zukunft auch stärker gewichtet werden muss.

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Oliver Herkommer
Prof. Oliver Herkommer
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