Standortentscheidungen müssen strategisch eingebettet sein, um langfristige Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Ohne klare Rollenverteilung im Produktionsnetzwerk drohen Ineffizienzen. Alexander Stolz, Partner bei Ingenics Consulting, über strategiegeführte Weichenstellungen für eine zukunfts-weisende flexible und wandlungsfähige Produktion.
Die Wahl und Gestaltung von Standorten ist eine der zentralen strategischen Herausforderungen für produzierende Unternehmen. Oft werden diese Standortentscheidungen reaktiv behandelt, was zu strukturellen Fehlentwicklungen führen kann. Eine fundierte Standortstrategie umfasst jedoch mehr als Kostenoptimierung und leitet sich direkt aus der Operations Strategy ab. Sie entscheidet über Marktanbindung, Lieferkettenstabilität, Technologieverteilung und langfristige Wettbewerbsfähigkeit. Im Operations Design wird die Rolle der Standorte bestimmt, einschließlich Kapazitätsallokation, Technologieverteilung, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz.
Transformation im Bestand
Heute liegt der Fokus auf der Anpassung bestehender Standorte, hierbei müssen gewachsene Strukturen mit neuen Anforderungen in Einklang gebracht werden. Unternehmen müssen entscheiden, ob bestehende Werke erweitert oder umfassend restrukturiert werden sollen. Eine umfassende Standortbewertung (Standort-Assessment) bildet die Grundlage jeder Standortstrategie, wobei technologische Reife, Produktionskapazitäten, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz bewertet werden. Basierend auf diesen Ergebnissen wird eine Roadmap erstellt, unterstützt durch digitale Modelle und Simulationen, die verschiedene Szenarien durchspielen. Priorisierte Maßnahmen und klare KPIs machen den Fortschritt messbar und erhöhen die Flexibilität, um auf Veränderungen reagieren zu können.
Vom reaktivem Anpassungsdruck zur strategischen Standortentwicklung
Viele Unternehmen scheitern an Standortentscheidungen, weil diese ohne strategischen Rahmen getroffen werden. Die Operations Strategy muss der Ausgangspunkt sein, nicht das Ergebnis. Entscheidungen werden oft aufgrund von kurzfristigem Anpassungsdruck isoliert für einzelne Werke gefällt, ohne den Netzwerkgedanken und langfristige Entwicklungen zu berücksichtigen, was zu Ineffizienzen führt. Strategische Leitlinien müssen klar kommuniziert und verstanden werden, um Planungen für zukünftige Investitionen und Ausrichtung einzelner Werke im Unternehmensverbund vornehmen zu können. Ein weiterer kritischer Punkt ist die interne Konkurrenz zwischen Standorten, da sie Zielkonflikte verursachen und die Gesamtleistung schwächen kann. Es braucht einen gesunden Konkurrenzkampf zwischen den Standorten, damit Investitionen langfristig sinnvoll sind.
Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile
Eine zukunftsgerichtete, wettbewerbsfähige Standortstrategie muss als integraler Bestandteil eines dynamischen Netzwerks verstanden werden und auf einer übergeordneten Operations Strategy basieren. Denn Standortentscheidungen benötigen ein klares Zielbild, das Marktdynamiken, Technologien und geopolitische Rahmenbedingungen berücksichtigt. Eine Standortstrategie ist kein Reaktionsmuster, sondern ein aktiver Steuerungshebel, der frühzeitig genutzt werden muss, um Handlungsfreiheit, strukturelle Resilienz und Wettbewerbsvorteile zu sichern.
5 Schritte zur Standortstrategie:
1. Rolle des Standorts im Unternehmensverbund definieren
- Welche Produkte, Technologien und Kompetenzen sollen an welchem Standort gebündelt werden?
- Welche Rolle übernimmt der Standort innerhalb des Produktionsnetzwerks (z.B. Leitwerk, Zulieferwerk, Kompetenzzentrum)?
Abgleich mit den Anforderungen der Unternehmensstrategie und der Operations Strategy
2. Standort-Assessment durchführen
- Bewertung des Status quo in den Bereichen Kapazität, Technologie, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz
- Identifikation von Handlungsfeldern und Wachstumsoptionen
3. Zukunftsszenarien simulieren & in Modellen entwickeln
Welche geopolitischen, wirtschaftlichen oder regulatorischen Entwicklungen könnten die Standortstrategie beeinflussen?
- Einsatz von Digitalen Zwillingen und Simulationen im Industrial Metaverse, um fundierte Entscheidungen zu treffen
- Nachhaltigkeits- und Energiekonzepte frühzeitig integrieren
4. Roadmap mit klaren KPIs entwickeln
- Maßnahmen priorisieren und in schrittweise umsetzbare Roadmap überführen
- KPIs definieren, um Fortschritte messbar und transparent zu machen (z.B. Produktionskapazität, CO2-Footprint, Automatisierungsgrad)
- Sicherstellen, dass Anpassungen flexibel möglich sind
5. Standortstrategie regelmäßig überprüfen und anpassen
- Strategische Standortplanung als kontinuierlichen Prozess begreifen, nicht als einmalige Entscheidung
- Änderungen in Markt, Technologie oder Regulierung aktiv monitoren
- Standortstrategie regelmäßig mit den Leitplanken der Operations Strategy abgleichen und anpassen